Sind landwirtschaftliche Betriebe für einen Blackout gerüstet?
Ein heftiges Unwetter oder sogar ein terroristischer Anschlag und plötzlich fällt der Strom aus. Und das nicht nur über mehrere Stunden, sondern mehrere Tage. Wie sind die landwirtschaftlichen Betriebe in unsere Region auf einen solchen Katastrophenfall vorbereitet? Um für das Thema zu sensibilisieren, luden die beiden Landvolk Kreisverbände Bremervörde-Zeven und Rotenburg-Verden ihre Mitglieder zu der Online-Veranstaltung „Blackout! – Handlungsempfehlungen für landwirtschaftliche Betriebe zur Vorbereitung auf den Katastrophenfall“ ein. Als Referentin konnte Wiebke Scheidl vom Katastrophenschutzamt des Landkreises Rotenburg (Wümme) gewonnen werden. Unterstützt wurde sie von Dr. Markus Wendt vom Veterinäramt.
Der Geschäftsführer des Kreisverbandes Rotenburg-Verden übernahm an diesem Abend die Begrüßung und die Moderation der Veranstaltung. Carsten Hoops erklärte, dass die beiden Landvolk-Kreisverbände eine enge Zusammenarbeit mit dem Landkreis pflegen. Bei einem dieser regelmäßigen Austauschtermine sei es dann auch um die Stromversorgung in der Landwirtschaft gegangen. „Der Landkreis hat verdeutlicht, dass im Falle eines Katastrophenfalls der Schutz der Zivilbevölkerung vorrangig ist. Da werden für die Landwirtschaft keine weiteren Kapazitäten frei sein“, erklärte Hoops. „Deswegen fanden wir es wichtig, unsere landwirtschaftlichen Betriebe für dieses Thema zu sensibilisieren. Jeder soll selbst einmal seinen Betrieb prüfen, wie gut er für den Ernstfall vorbereitet ist.“
Was bedeutet ein Blackout? Wiebke Scheidl erklärte den Teilnehmern, dass von einem Blackout gesprochen wird, wenn es zu einem flächendeckenden Stromausfall kommt, der mehrere Tage andauert. „Es gibt weder Internet noch Mobilfunk – das bedeutet unsere Kommunikation und Informationsbeschaffung über WhatsApp oder Social Media funktioniert nicht mehr. Auch das Festnetz gibt es in diesem Moment nicht mehr. Man kann keinen Notruf absenden“, erläuterte Wiebke Scheidl. Ohne Strom funktioniert weder Kühlschrank noch Herdplatte. „Wir können kein Geld am Automaten abheben. Ohne Bargeld können wir aber auch nicht in den Geschäften bezahlen.“ In seiner Broschüre zum Bevölkerungsschutz verweist der Landkreis zudem darauf, immer rechtzeitig zu tanken. Denn ohne Strom funktionieren die Pumpen der Zapfsäulen nicht. „Das gilt auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge.“
Deswegen sei eine Vorplanung umso wichtiger. Und hier gelte es den eigenen Betrieb genau zu prüfen: Lüftungssysteme, Alarmanlagen, Melkroboter, Futterautomaten, Wasserversorgung – was sind die kritischen Bereiche auf dem eigenen Betrieb, die unbedingt mit einem Notstromaggregat betrieben werden müssen. Auch der Kraftstoffbedarf sei zu ermitteln und immer rechtzeitig einen Vorrat anzulegen. Der Notfallplan sollte am besten mit allen Mitarbeitern besprochen werden, sodass jeder in einer Krise seine Aufgaben kenne, riet die Expertin. „Stellen Sie sicher, dass Sie im Idealfall drei bis zehn Tage zuhause versorgt sind.“
Dr. Markus Wendt vom Veterinäramt empfahl allen landwirtschaftlichen Betrieben, Notstromaggregate vorzuhalten. „In geschlossenen Stallsystemen wie der Schweinehaltung und der Hühnerhaltung sind dieses Aggregate Pflicht“, betonte der Tierarzt. Doch auch alte Geräte sollten regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit und Komptabilität überprüft werden. Vonseiten der Landwirte wurde angemerkt, dass viele Höfe mittlerweile durch PV-Anlagen und Stromspeichern unabhängiger seien. „Die Frage ist, wie lange kommen Sie mit dem Strom aus“, gab Dr. Wendt zu bedenken. Schließlich würde bei einem Blackout der Strom über mehrere Tage ausfallen.
Auch die Biogasanlagen könnten als Inselbetriebe zur Notstromversorgung beitragen, merkte Landwirt Hendrik Brinkmann an. „Die alten Biogasanlagen laufen jetzt aus. Der Landkreis sollte prüfen, welche Anlagen umgerüstet werden können, um für den Notfall die Versorgung mitzusichern“, empfahl er Wiebke Scheidl.
„Ob Unwetter oder andere Umstände – die jüngsten Beispiele zeigen, dass alles ganz schnell kommen kann. Am besten man rüstet vor für den Notfall. Sprecht mit euren Elektrikern, was gemacht oder verbessert werden muss“, so Alexander von Hammerstein, Vorsitzender des Landvolk Kreisverbandes Bremervörde-Zeven.
„Wir wollten mit dieser Veranstaltung für das Thema sensibilisieren und aufzeigen, wie wichtig es ist, den Betrieb im Vorfeld genau zu prüfen, um für den Notfall gerüstet zu sein“, bedankte sich Carsten Hoops bei den Teilnehmern und den Referenten.


