Fr, 27.02.2026
Erster Newcastle-Disease-Ausbruch in Deutschland
In Brandenburg (Landkreis Oder-Spree) ist erstmals seit 30 Jahren wieder die Newcastle-Krankheit (ND) bei Hausgeflügel ausgebrochen. In einem Putenmastbetrieb mit 23.083 Tieren traten erhöhte Verluste und deutliche Krankheitssymptome auf; der gesamte Bestand wurde gekeult, eine 3‑km‑Schutzzone und eine 10‑km‑Überwachungszone eingerichtet. Die 6 Wochen alten Jungtiere waren zwar geimpft, jedoch erst vor 14 Tagen – die Grundimmunisierung war somit noch nicht vollständig abgeschlossen. Am Mittwoch wurde ein weiterer ND‑Ausbruch im Landkreis Erding (Bayern) bestätigt: 13.500 Legehennen zeigten erhöhte Mortalität, deutlichen Legeleistungsrückgang und Tracheitis. Die Tiere waren vorschriftsmäßig immunisiert – dreimal als Junghennen mit einem Lebendimpfstoff, anschließend mit einem Inaktivatimpfstoff. Auch hier wurden sofort Sperr- und Schutzmaßnahmen eingeleitet.
Da ND wie die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) eine Tierseuche der Kategorie A nach dem EU-Tiergesundheitsrecht (AHL) ist, greifen identische, sofortige und strenge Eindämmungs- und Tilgungsmaßnahmen. Das ND-Virus, ein aviäres Paramyxovirus, ist weltweit verbreitet und kann nahezu alle Vogelarten infizieren. Die Erkrankung verläuft je nach Virusstamm und Immunstatus der Tiere von mild bis hin zu plötzlich tödlich. In Deutschland besteht eine Impfpflicht für Hühner und Truthühner.
Beide Fälle unterstreichen, dass Impfung zwar den Infektionsdruck senkt, aber keinen absoluten Schutz bietet. Das Friedrich-Löffler-Institut betont, dass virulente ND‑Viren trotz Impfstatus „unter der Impfdecke“ zirkulieren können. Daher bleibt die Kombination aus konsequenter Impfstrategie und zügigen Tilgungsmaßnahmen (stamping‑out) entscheidend für die wirksame Eindämmung der Newcastle-Krankheit. Virologische Untersuchungen des Brandenburger Ausbruchs zeigen einen Virusstamm des Genotyps VII.1.1, der eng mit ND‑Viren jüngerer Ausbrüche in Polen verwandt ist – ein Hinweis auf eine mögliche Einschleppung. Polen gilt seit 2023 als ND‑endemisch; 2025 wurden dort 45 Ausbrüche in kommerziellen Beständen und 33 in Kleinhaltungen registriert. Die Genotypisierung des bayerischen Ausbruchs steht noch aus.