Fr, 06.02.2026
Wechselkurs als Hebel für Weizen, Gerste und Mais
(AMI) Wechselkursbewegungen werden zuerst am Terminmarkt sichtbar, bevor sie über Prämien/Basis in den physischen Handel durchschlagen. Weizen und Gerste reagieren exportseitig, Mais importseitig – der Euro ist damit ein direkter Treiber der Marktstimmung.
Der Wechselkurs bleibt ein zentraler Hebel im Getreidemarkt. Viele internationale Leitimpulse entstehen in US-Dollar, insbesondere an der Börse in Chicago. Wenn sich der Wechselkurs bewegt, ändert sich sofort, wie stark diese USD-Notierungen in Euro wirken. Am Terminmarkt wird das meist zuerst sichtbar: Händler passen Spreads, Absicherungen und Positionen an, bis sich ein Kursabgleich zwischen Matif in Paris und den USD-Märkten einstellt. Der Kassamarkt folgt typischerweise zeitversetzt – über Prämien/Basis und über die Kalkulation von Importeuren, Exporteuren und der Verarbeitungsindustrie.
Weizen: Wechselkurs entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit.
Für Weizen hängt die EU-Preisbildung stark an der Exportseite. Die EU-Kommission setzt im Balance Sheet 2025/26 Weizenexporte von 29,5 Mio. t an; zugleich wurden die Handelsannahmen zuletzt angepasst (Exporte -1,5 Mio. t, Importe +1,0 Mio. t). In der Praxis gilt: Ein stärkerer Euro verschlechtert die Exportkalkulation. Denn EU-Ware wirkt in Drittlandgeschäften teurer, während USD-notierte Konkurrenzangebote in Euro gerechnet attraktiver werden. Ein schwächerer Euro verbessert dagegen die Exportparitäten und kann Abschlussfenster öffnen. Entsprechend reagiert der Terminmarkt häufig früh, während sich der Effekt im physischen Markt über die Exportnachfrage und die Prämienbildung durchsetzt.
Gerste: Mehr Spielraum in der EU-Bilanz.
Auch bei Gerste bleibt der Exportkanal entscheidend. Im EU-Balance Sheet stehen Gerstenexporte von 11,0 Mio. t; die EU-Kommission hat die Exporte zuletzt um +0,9 Mio. t angehoben und die Importe um -1,0 Mio. t gesenkt. Für die Kursbildung bedeutet das: Euro-Bewegungen wirken unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit – und damit auf die Frage, ob Gerste am Weltmarkt „passt“ oder ob Käufer auf alternative Ursprünge ausweichen. Der Kassamarkt folgt über Prämien und über die Exportabgabebereitschaft, häufig zunächst in den Hafen- und Exportregionen.
Mais: Wechselkurs wirkt direkt über das Importpreisniveau.
Beim Mais ist die Logik spiegelbildlich zu Weizen und Gerste. Die EU ist strukturell importabhängig: Die EU-Kommission beziffert Maisimporte in 2025/26 auf 18,8 Mio. t, während Maisexporte nur 1,5 Mio. t erreichen. Damit wirkt der Wechselkurs vor allem über das Importpreisniveau: Ist der Euro stärker, dämpft dies tendenziell die in EUR/t abgeleiteten Importwerte. Ist der Euro schwächer, verteuert dies Beschaffung und kann das EU-Preisniveau stützen.