Niedersächsisches Landvolk Kreisverband Rotenburg-Verden e.V.

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Aktuelles aus dem Kreisverband

07.05.2025
Lütjens Weidehähnchen verdient sich zweiten Platz beim Niedersächsischen Tierschutzpreis

Der Familienbetrieb „Lütjens Weidehähnchen“ aus Hemslingen hat es geschafft, sich in einem zunehmend diskutierten Bereich hervorzuheben: der tierschutzgerechten Tierhaltung. Kürzlich wurde der Betrieb mit dem zweiten Platz beim Niedersächsischen Tierschutzpreis ausgezeichnet – eine Anerkennung für den hohen Standard der Geflügelhaltung, den die Familie Lütjens in ihrem Betrieb verfolgt. Die feierliche Verleihung des Preises fand am 24. April im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hannover statt.

Außenklimareize und Bewegungsfreiheit

Der Familienbetrieb wurde für seine innovative Haltung von Masthähnchen in Mobilställen ausgezeichnet, die den Tieren sowohl Zugang zu einem Wintergarten als auch zu einer Weide bieten. Diese Haltung ermöglicht es den Hähnchen, Außenklimareize zu erleben und mehr Bewegungsfreiheit im Stall zu haben. „Als konventioneller Betrieb ist eine solche Haltungsform bei der Betriebsgröße nicht alltäglich“, erklärt Lutz Lütjens, einer der beiden Betriebsleiter.

Tradition und Innovation vereint

Der Hof der Familie Lütjens in Hemslingen ist ein Ort, an dem Tradition und Innovation Hand in Hand gehen. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bereich der Freilandhaltung von Gänsen haben die Eltern der heutigen Betriebsleiter Lutz und Carsten Lütjens das Fundament gelegt, auf dem der Betrieb heute aufbaut. Für die beiden Brüder war es nach ihrer Ausbildung klar, dass sie in den Betrieb ihrer Eltern zurückkehren und ihre Erfahrungen und Ideen einbringen wollten. Ihre Leidenschaft für die Geflügelhaltung führte sie 2018 dazu, den Betrieb offiziell zu übernehmen und die Haltung und Aufzucht der Weidehähnchen einzuführen.

Weidehaltung im Fokus

Auf dem Hof werden derzeit drei Mobilställe betrieben, in denen jeweils 1300 Hähnchen leben. Die Tiere kommen als Tagesküken und haben nach 14 Tagen Zugang zu einem Wintergarten. Nach drei bis vier Wochen dürfen sie auf die Weide, wo sie sich frei bewegen können. „Uns ist es wichtig, den Tieren während ihrer Zeit bei uns ein möglichst stressfreies und artgerechtes Leben zu ermöglichen“, erklärt Lutz Lütjens. Die Familie hat durch ihre langjährige Erfahrung ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Tiere entwickelt, sei es beim richtigen Zeitpunkt für den Weidegang oder bei der Gestaltung des Stallklimas. Gefüttert werden die Weidehähnchen mit hochwertigem Futter aus der Region, frei von Gentechnik.

Regionale Vermarktungswege

Die Produkte von „Lütjens Weidehähnchen“ finden in einem Umkreis von 100 Kilometern ihren Weg in Hofläden, die Gastronomie sowie den Lebensmitteleinzelhandel, wobei die enge Zusammenarbeit mit den Rotenburger Werken besonders hervorzuheben ist. Zusätzlich bietet der Betrieb auch Ab-Hof-Verkäufe an.

Die Familie Lütjens ist stolz darauf, ihre Produkte in der Region anbieten zu können und setzt dabei auf ein starkes Netzwerk von Abnehmern. Doch auch in einem dynamischen Markt muss der Betrieb flexibel bleiben, wie Lutz Lütjens anmerkt: „Die Nachfrage ist nicht immer konstant. Wir müssen uns anpassen und immer wieder neue Wege finden, unsere Produkte zu vermarkten.“

Lutz Lütjens betont, dass der Erfolg nicht nur von der Haltung der Tiere abhängt, sondern auch von der gesamten Branche und dem Konsumentenverhalten: „Der Kunde entscheidet durch sein Einkaufsverhalten, welche Haltungsform erfolgreich ist.“

Der Tierschutzpreis: Anerkennung für viele engagierte Akteure

Der Niedersächsische Tierschutzpreis wird seit 2022 verliehen. Der Tierschutzpreis 2024 zeichnet Personen, Institutionen etc. aus, die sich in Niedersachsen besonders stark für den Tierschutz in der Geflügelhaltung einsetzen. Dies kann die Haltung selbst, das Fangen, Verladen, den Transport aber auch die Schlachtung betreffen.

Der Themenbereich wechselt jährlich. In den Vorjahren umfassen die Themen Alternativmethoden zu Tierversuchen (2022) und die Verbesserung des Tierschutzes bei Heimtieren (2023).

29.04.2025
Beim Kirchentag kommt auch die Wurst auf den Grill

Landvolk lädt beim Abend der Begegnungen zur Diskussion über Tierhaltung ein

Ein Grill, ein Feuer, offene Gespräche: Mit dieser Einladung startet das Landvolk Niedersachsen gemeinsam mit der Initiative Agrill in den 39. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover. Am 30. April wird Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies sich beim „Abend der Begegnung“ in der Nähe des Beginenturms Am Hohen Ufer im Anschluss an den Eröffnungsgottesdienst mit Vertreterinnen und Vertretern der Landeskirche und des Kirchentags sowie den Besucherinnen und Besuchern zu ihrer Sicht auf die Tierhaltung austauschen, schreibt der Landvolk-Pressedienst in einer gemeinsamen Meldung mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag.

„Der Kirchentag steht für Dialog und wir begrüßen es sehr, wie sich die Landwirte den Debatten rund um die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung stellen, ihre Rolle dabei wahrnehmen und erkennen, welche Chancen in Events wie dem Kirchentag stecken – gerade auch weil bei der Frage, was auf den Teller kommt, viele unterschiedliche Interessen und Positionen bestehen“, sagt Mario Zeißig, Leitung Kommunikation & Service des Kirchentags. Genau dieses Ziel verfolgt auch die Aktion Agrill, dessen Name sich aus Wörtern April, Agrar und Angrillen zusammensetzt und die bewusst den Austausch zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft sucht.

„Im Agrarland Niedersachsen gehören Fleisch und andere tierische Produkte zur Realität einer ausgewogenen Ernährung – und damit auch auf den Grill. Besonders weil aus der Tierhaltung direkt und indirekt mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlichen Erlöse stammen und sie in vielen Regionen die zentrale Grundlage der Wirtschaft ist, wollen wir darüber sprechen“, sagt Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. Er freut sich auf die Veranstaltungen während des Kirchentags, die von Donnerstag, 1. Mai, bis Sonntag, 4. Mai, auf dem Messegelände stattfinden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bei diesem Kirchentag eine ehrliche und faire Gesprächsbasis vorfinden – offen für unterschiedliche Sichtweisen, aber getragen vom gemeinsamen Interesse an Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt“, hebt Hennies hervor.

Während des „Abends der Begegnung“ wird das Landvolk Niedersachsen auch über seine Imagekampagne „Eure Landwirte – Echt grün“ vertreten sein. Auf der Grünen Meile Am Hohen Ufer tummeln sich am 30. April zudem der Niedersächsische Landfrauenverband Hannover, die Niedersächsische Landjugend und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft mit Milchmixgetränken, Kartoffelspießen und der „Bank der Demokratie“. Dann heißt es am Beginenturm: zusammenkommen, essen, reden – über Gott, die Welt und die Frage, wie eine zukunftsfähige Ernährung aussehen kann.

28.04.2025
Ehlers: Land muss vorbereitend tätig werden

Zum „Tag des Wolfes“ fordert das Landvolk Niedersachsen regionale Abschusspläne

Mehr Tempo beim Umgang mit den Wildtieren fordert das Landvolk Niedersachsen aus Anlass des „Tag des Wolfes“ am 30. April. „Nachdem der Schutzstatus in der Berner Konvention bereits abgesenkt worden ist, brauchen wir schnell eine Änderung der FFH-Richtlinie. Das Land Niedersachsen muss Druck auf den Bund ausüben, aber auch aktiv vorbereitend tätig werden, um dann zügig eigene Regelungen auf den Weg bringen zu können, sobald die FFH-Richtlinie geändert wurde“, sagt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. „Wir gehen davon aus, dass mittelfristig das Einrichten einer Jagdzeit von mehreren Monaten im Jahr unumgänglich sein wird. Dafür muss es regionale Abschusspläne geben“, ergänzt Ehlers, der auch Sprecher des Bündnisses Aktives Wolfsmanagement ist.

Der bundesweite „Tag des Wolfes“ geht auf die Initiative des Nabu (Naturschutzbund Deutschland) zurück und findet seit 2013 statt. Der 30. April wurde gewählt, weil dieses Datum das Ende des Wolfsjahres markiert, also die wissenschaftliche Dokumentation, wie viele Tiere wo in Deutschland leben. Da Wölfe ihre Jungen in der Regel im Mai zu Welt bringen, hat sich die Wolfsforschung auf den Beginn eines neuen Zählzyklus geeinigt. Ziel dieses Aktionstages war und ist es, den Schutz der Wölfe in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Das Landvolk Niedersachsen nimmt den Tag – ebenso wie der Deutsche Bauernverband (DBV) – zum Anlass, auf die Schwierigkeiten beim Bestandsmanagement und beim Herdenschutz hinzuweisen.

Seit Beginn dieses Jahres gibt es mit der überarbeiteten „Richtlinie Wolf“ und der neuen Richtlinie speziell für die Förderung der Schaf- und Ziegenhaltung (SchaNa) deutliche Verbesserungen beim finanziellen Ausgleich bei Wolfrissen und mehr Geld für den Herdenschutz. „Wir sehen aber unsere Befürchtung bestätigt, dass viele kleine und mittlere Betriebe die Herdenschutz-Förderung aus der neuen SchaNa-Richtlinie gar nicht in Anspruch nehmen, weil sie zu bürokratisch ist“, erläutert Jörn Ehlers. Das ursprüngliche Ziel, eine einfache und unbürokratische Förderung für die Schaf- und Ziegenhaltung zu entwickeln, sei deutlich verfehlt worden. Ehlers dazu: „Viele Probleme einer jetzt geltenden Regelung mit einer flächenbezogenen Prämie könnten durch eine Kopfprämie vermieden werden.“

Der Landvolk-Vizepräsident weist abschließend darauf hin, dass Herdenschutz nach Einschätzung des Landesbauernverbandes keine Alternative zu einem zusätzlichen, aktiven Bestandsmanagement der Tierart darstellt. „Die Kosten für den Herdenschutz und für Billigkeitsleistungen nach Rissen werden ohne ein aktives Bestandsmanagement mittelfristig gesellschaftlich nicht mehr tragbar sein“, ist sich Ehlers sicher.

22.04.2025
Ein Dialog mit Weitblick

Mit Vivian Tauschwitz im Gespräch über die Landwirtschaft in der Region Rotenburg

Kürzlich duften wir in unserer Rotenburger Geschäftsstelle die CDU-Bundestagsabgeordnete unseres Rotenburger Wahlkreises Vivian Tauschwitz begrüßen und ein spannendes Gespräch über die Themen führen, die die Landwirtschaft vor Ort bewegen – von der allgegenwärtigen Bürokratie über die Chancen und Herausforderungen der erneuerbaren Energien bis hin zur Zukunft der Tierhaltung, der landwirtschaftlichen Ausbildung und dem Schubladendenken von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft.

Landwirtschaft zwischen Wertschätzung und Wirklichkeit: „Guter Bauer, böser Bauer“ war gestern

Weg vom Schubladendenken und von „guter Bauer, böser Bauer“ wünschen sich alle Beteiligten. Gemeint ist damit vor allem die Polarisierung zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft.
„Innerhalb der Branche herrscht Einigkeit. Es geht nicht um Konventionell gegen Bio. Jede Betriebsform hat ihre Vor- und Nachteile und vor allem ihre Berechtigung“, so der Vorsitzende des Landvolkkreisverbandes Christian Intemann. Ein Wunsch, der sich auch an die Politik richtet – und an die Gesellschaft. Tauschwitz stimmt zu: „Auch ich habe das Gefühl, dass dieses Schwarz-Weiß-Denken zunehmend Einzug erhalten hat. Dies ist allerdings auch aus meiner Sicht kontraproduktiv. Wir brauchen Kompromisse!“
„Uns ist es wichtig, dass hierbei politisch nicht etwas am Markt vorbei inszeniert wird“, fordert Jörn Ehlers, ebenfalls Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes und Landvolk-Vizepräsident. Denn nur zu oft wird an der Ladentheke nun mal anders gekauft als vorher gewählt – hier wünscht sich Ehlers mehr Ehrlichkeit.

Tierhaltung, Ernährungssicherheit und der Wunsch nach Verlässlichkeit

Ein zentrales Thema: die Zukunft der Tierhaltung. Gerade in einer Tierhaltungsregion wie Rotenburg spielt sie eine tragende Rolle. Doch zwischen Baugesetzbuch, Emissionsschutzverordnung und wechselnden Förderbedingungen wird aus Tierwohl schnell Bürokratiefrust. „Das Baugesetzbuch und das Emissionsschutzgesetz sind beispielsweise zwei Faktoren, die uns in der Praxis Sorgen bereiten und nur zu oft einen Zielkonflikt darstellen“, spricht Intemann aus Erfahrung. Ein Beispiel, das exemplarisch gut darstellt, wie komplex sich die Herangehensweise an verschiedene Herausforderungen in der Landwirtschaft oft gestaltet.
„Hier fesseln wir uns selbst“, bestätigt Tauschwitz und macht bei allen Herausforderungen eines deutlich: Die Versorgungssicherheit im eigenen Land muss weiter gestärkt werden. „Ressourcenkonflikte können die Kriege unserer Zeit werden, deshalb ist es umso wichtiger, die Nahrungsmittelsicherheit und den Selbstversorgungsgrad hochzuhalten.“
Eine gesellschaftliche Werteverschiebung nimmt auch Ehlers seit der Coronapandemie und dem Ukraine-Krieg wahr: „Das Bewusstsein für die Relevanz einer sicheren Energie- und Nahrungsmittelversorgung nimmt zu.“

Erneuerbare Energien: Zwischen Innovation und Investitionshürden

Gerade beim Thema Energie zeigt die Region Rotenburg, was möglich ist. „Kaum eine Region ist in Sachen Biogasanlagen so gut aufgestellt“, weiß Ehlers. Auch Photovoltaik und Windenergie bieten große Potenziale – doch auch hier wird der Fortschritt durch bürokratische Hemmnisse gebremst.
Die Doppelnutzung von Flächen, also Landwirtschaft kombiniert mit Photovoltaik, sei ein vielversprechender Ansatz, der jedoch politisch derzeit erschwert werde. Auch beim Thema Netzausbau fehle zum Teil die nötige Praxisnähe. Kreisverbandsgeschäftsführer Carsten Hoops macht deutlich: „Es ist ein Sättigungsgrad erreicht. Technisch entwickelt sich gerade viel, deshalb bitten wir ausdrücklich darum, stetig zu prüfen, was wirklich an Netzausbau nötig ist.“
Zudem gibt er zu bedenken, dass die Erdverkabelung deutlich teurer sei als die Freileitung. Tauschwitz lenkt ein: „Hier ist es Aufgabe der Politik, wirklich genau hinzuschauen, in welchem Fall es die unterirdische Leitung sein muss und wann ich mir die 50 Prozent an Kosten sparen kann, und eine überirdische Leitung baue.“

Ausbildung mit Weitblick – und neuen Hürden

Trotz vieler Herausforderungen gibt es auch Lichtblicke: Die landwirtschaftliche Ausbildung erlebt in Rotenburg eine beeindruckende Resonanz. Während andere Handwerksbranchen mit Nachwuchssorgen kämpfen, bleibt das Interesse an der Landwirtschaft hoch.
„Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir – im Vergleich zu anderen handwerklichen Branchen, die große Probleme damit haben, noch Nachwuchs auszubilden – unsere Ausbildungszahlen nach wie vor relativ stabil halten“, erklärt Intemann.
Insbesondere am Standort Rotenburg werden jährlich überdurchschnittlich viele landwirtschaftliche Auszubildende angelernt – ein Umstand, auf den man in der Region stolz ist. Die BBS Rotenburg genießt einen sehr guten Ruf, und viele Auszubildende aus angrenzenden Landkreisen nehmen gerne den Weg auf sich, um hier zu lernen.
Das große Interesse spiegelt sich auch darin wider, dass viele Lehrbetriebe bereits über mehrere Jahre im Voraus ausgebucht sind. Obwohl nicht jedes Jahr der Bedarf an neuen Mitarbeitern besteht, nehmen viele Betriebe trotzdem neue Auszubildende auf.
„In der Landwirtschaft bilden wir eher selten nur für den eigenen Betrieb aus, hier ist es üblich, für die ganze Branche auszubilden“, erklärt Ehlers. Dies zeige den idealistischen Ansatz und den starken Zusammenhalt in der Branche.
Doch auch in der Ausbildung sorgt Bürokratie für Stolpersteine. Um den Auszubildenden einen umfassenden Einblick zu ermöglichen, war es gängige Praxis, die Ausbildungszeit auf verschiedenen Höfen zu verbringen. Das wurde in der Vergangenheit durch einjährig abgeschlossene Ausbildungsverträge erleichtert – doch eine gesetzliche Änderung verlangt nun, dass der Vertrag über die gesamte Ausbildungszeit abgeschlossen werden muss.
„Die einzige Lösung ist aktuell der Weg über einen Aufhebungsvertrag, der einen enormen bürokratischen Mehraufwand für alle Beteiligten bedeutet“, so Intemann. Tauschwitz, die selbst während ihrer Ausbildung bei der Bundeswehr an verschiedenen Standorten gedient hat, kann gut nachvollziehen, wie wichtig es ist, möglichst viele Einblicke in die verschiedenen Betriebszweige zu gewinnen. „Während der Ausbildung entwickeln sich ja erst gewisse Präferenzen. Deshalb macht es Sinn, erst zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, ob im dritten Lehrjahr noch einmal der Milchviehbetrieb besucht wird oder doch lieber der Schweinebetrieb“, so die Meinung der Bundestagsabgeordneten.
Ihr Appell: „Wir müssen keine Probleme suchen, wo keine sind. Wenn sich ein bestimmtes Vorgehen über die Jahre bewährt hat, brauchen wir es nicht aus Prinzip auf den Prüfstand zu stellen.“

Klare Worte zum Abschluss: Bürokratieabbau als Gemeinschaftsaufgabe

Im Gespräch wird deutlich Tauschwitz setzt sich bei ihrer politischen Arbeit für pragmatische Ansätze ein. So spricht sie sich unter anderem für die Abschaffung des Verbandsklagerechts aus: „Ich finde es sinnvoll, gewisse Dinge zu schützen, aber ich bin definitiv dafür, dass die Angelegenheiten mit den Beteiligten vor Ort geklärt werden.“
Auch beim Thema Beraterstäbe sieht sie Optimierungsbedarf: „Hier werden derzeit noch zu viele Ressourcen verschwendet.“ Ihrer Meinung nach sollte stattdessen die Expertise von Verbänden mit Praxisbezug stärker in politische Prozesse eingebunden werden.
Beim Thema Bürokratieabbau formuliert sie einen klaren gesellschaftlichen Auftrag: „Dies ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen als Gesellschaft dieses Absicherungsdenken loslassen, um den Bürokratieabbau zu schaffen.“
Dass das keine leichte Aufgabe ist, ist allen Beteiligten bewusst. Doch Tauschwitz bringt es zum Abschluss auf den Punkt: „Wir müssen es versuchen. Denn was ist die Alternative?“

Ein Denkanstoß, der bleibt

Das Gespräch in Rotenburg war mehr als ein formeller Termin. Es war ein Dialog auf Augenhöhe – ehrlich, kritisch, lösungsorientiert. Es zeigte sich, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit von Politik und Praxis liegt, wenn beide Seiten bereit sind zuzuhören und voneinander zu lernen.

17.04.2025
Netzwerktreffen Direktvermarktung

Region Bremervörde, Oldenburg Nord, Ostfriesland

Kontakte knüpfen, Austausch mit Berufskolleginnen und Berufskollegen, Kräfte bündeln und Kooperationsmöglichkeiten abstecken; dazu fachlicher Input, Neuigkeiten aus der Direktvermarktung und kreative Ideenfindung in der Gruppe - das alles kann ein Netzwerk Direktvermarktung!

In dieser kostenfreien Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird ein Überblick über den aktuellen Stand in der Direktvermarkung gegeben, ein möglicher Plan aufgestellt und Ideen und Wünsche aufgenommen, um gemeinsam ein potentiell dauerhaftes Netzwerk zwischen Direktvermarkterinnen und Direktvermarktern in der Beratungsregion Nord (Bezirksstellen Bremervörde, Oldenburg Nord und Ostfriesland), also über die Landkreisgenzen hinaus, aufzubauen.

Eingeladen sind alle Interessierten mit Direktvermaktung aus der Beratungsregion Nord!

HIER geht es zur Anmeldung und zu ausführlicheren Informationen.

16.04.2025
Der Ernährungsführerschein

Ein Projekt, das Kinder für gesunde Ernährung begeistert

In einer Welt, in der Fast Food und Fertiggerichte oft die Oberhand gewinnen, ist es wichtiger denn je, Kindern und Jugendlichen die Bedeutung von gesunder, verantwortungsbewusster Ernährung näherzubringen. Der Förderverein NEUA e.V. setzt genau hier an – mit seinem interaktiven Projekt „Vom Hof auf den Teller“. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen für die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit zu sensibilisieren. Inmitten einer ländlichen Kulturlandschaft wird den Kindern spielerisch das Wissen vermittelt, das sie brauchen, um nicht nur gesunde Mahlzeiten zuzubereiten, sondern auch Verantwortung für ihre Ernährung und die Umwelt zu übernehmen.

Dank einer großzügigen Spende der Postcode Lotterie konnte das Projekt in diesem Jahr um eine wertvolle Komponente erweitert werden: den Ernährungsführerschein. Dieser wurde von der Meisterin der Hauswirtschaft und LandFrau Anja Küsel aus Ahausen in der Grundschule in Waffensen durchgeführt. Mit ihrer langjährigen Erfahrung brachte sie den Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse wichtige Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln und Küchengeräten bei.

Praxisnah und lehrreich

Anja Küsel, die bereits 2013 ihre Fortbildung zur Durchführung des Ernährungsführerscheins an Schulen über den aid infodienst und den Deutschen LandFrauenverband abgeschlossen hat, weiß genau, wie man Kinder für das Thema Ernährung begeistert. Der Ernährungsführerschein, den sie mit zwei weiteren LandFrauen bereits in vielen Bremer Schulen erfolgreich umsetzt hat, vermittelt den Schülerinnen und Schülern alles, was sie wissen müssen, um kleine, gesunde Gerichte selbst zuzubereiten – und das direkt im Klassenraum.

„Praktischerweise benötigen wir keine Schulküche, da die Gerichte so ausgewählt sind, dass sie im Klassenzimmer zubereitet werden können“, erklärt Küsel. Die Zutaten und Küchenutensilien bringen die Kinder von zuhause mit. „Durch den Mitbringauftrag lernen sie, Verantwortung zu übernehmen. Wenn etwas fehlt, betrifft das die gesamte Gruppe.“ Eine wertvolle Lektion, die über das Zubereiten von Mahlzeiten hinausgeht.

Das Projekt umfasst nicht nur die Erläuterung der Ernährungspyramide als Grundlage einer gesunden Ernährung, sondern auch das Erlernen grundlegender Schneidtechniken sowie der richtigen Hygiene in der Küche, den Umgang mit Rezepten und die Bedeutung der Lebensmittel-Lagerung. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das Erlernen der Tischknigge, die den Kindern zeigt, wie man ein gutes und respektvolles Miteinander pflegt und Gäste entsprechend empfängt. Am Ende des Projekts erhalten die Kinder einen Ernährungsführerschein – als Bestätigung für ihre erlernten Küchenkompetenzen.

Ein Herzensprojekt für Anja Küsel

Für Anja Küsel ist der Ernährungsführerschein weit mehr als ein Unterrichtsprojekt. „Es ist eine Herzensangelegenheit, den Kindern den wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln näherzubringen“, sagt sie. Als Meisterin der Hauswirtschaft, die 2014 ihren Abschluss gemacht hat, brennt sie für das Thema und den Beruf, der ihr viel bedeutet. Ihr Ziel ist es, den Kindern zu zeigen, wie eine gesunde Ernährung aus regionalen und saisonalen Zutaten einfach gelingen kann. „Anstatt im Kühlregal nach dem Fruchtjoghurt mit viel Zucker und Zusatzstoffen zu greifen, zeige ich den Kindern, wie sie ihren Fruchtjoghurt mit frischen Früchten ganz einfach und deutlich gesünder selbst zubereiten können“, erklärt Küsel.

Sie weiß, dass gesunde Ernährung besonders für Kinder wichtig ist – gerade in einer Zeit, in der Themen wie Adipositas und Allergien immer präsenter werden. Wichtig ist Küsel dabei auch, die Kinder bereits möglichst früh in der Küchenarbeit zu integrieren: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Ich bin der Meinung, man muss den Kindern auch etwas zutrauen und sie aktiv miteinbeziehen; nur so kann ein verantwortungsbewusster Umgang mit Gefahren wie beispielsweise der Hitze des Backofens gelingen.“

Begeisterung bei den Kindern

Die Resonanz auf den Ernährungsführerschein ist durchweg positiv, und es gibt immer wieder schöne Rückmeldungen von Eltern, Lehrkräften und den Kindern selbst. Besonders auffällig ist, dass viele Eltern berichten, ihre Kinder würden nach dem Projekt vermehrt Interesse daran zeigen, in der Küche mitzuhelfen. Dies ist ein eindeutiges Zeichen für den langfristigen Erfolg des Projekts, denn es zeigt, dass die Kinder nicht nur neue Fähigkeiten erlernt haben, sondern auch ein echtes Interesse an gesunder Ernährung und der Zubereitung von Mahlzeiten entwickeln. Diese nachhaltigen Erfolge führt Küsel auch darauf zurück, dass der Ernährungsführerschein in mehreren Unterrichtsstunden und damit in einer gewissen Regelmäßigkeit durchgeführt wird.

Fazit

„Vom Hof auf den Teller“ ist mehr als nur ein Bildungsprojekt – es ist ein Schritt hin zu einer gesünderen, verantwortungsvolleren Zukunft für die kommenden Generationen. Ein besonderer Dank gilt daher all den engagierten Menschen, die sich wie Anja Küsel mit viel Hingabe und Leidenschaft den verschiedenen Projekten des NEUA e.V. widmen, ob mit einer Führung über den Hof oder der Aufklärungsarbeit im Klassenzimmer. Dieser Einsatz ist der Motor hinter solchen Initiativen und hat einen nachhaltigen Einfluss auf das Leben vieler Kinder. Auch wären solche Projekte ohne finanzielle Unterstützung, wie beispielsweise die großzügige Spende der Postcode Lotterie, nicht realisierbar.

07.04.2025
MKS & ASP

Neues Informationsblatt zur Prävention der Virusverbreitung

Angesichts des aktuellen MKS-Seuchengeschehens in Ungarn, wo mittlerweile vier Fälle bestätigt wurden – zwei davon erst gestern –, sowie der fünf MKS-Ausbrüche in Milchviehbetrieben in der Slowakei und der damit verbundenen potenziellen Einschleppung oder Verbreitung des MKS-Virus nach Deutschland, hat der DBV gemeinsam mit befreundeten Verbänden ein neues Informationsblatt erstellt. Dieses richtet sich insbesondere an ausländische Saisonarbeitskräfte und informiert in sieben verschiedenen Sprachen über die potenzielle Einschleppung von Viren durch mitgebrachte und unachtsam entsorgte Lebensmittel sowie kontaminierte Kleidung und Ausrüstung. Es soll das Bewusstsein für das Risiko der Verbreitung von Tierseuchen, insbesondere Maul- und Klauenseuche und Afrikanischer Schweinepest, schärfen und appelliert an die Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen und präventiven Maßnahmen.

Betriebe können sich den Flyer HIER herunterladen.

27.03.2025
Online-Seminarreihe zum Thema „Zukunftsmodell Dorfladen“

Tipps zur Gründung und zum Betrieb von Dorfläden

Die Agrarsoziale Gesellschaft (ASG) bietet eine Online-Seminarreihe zum Thema „Zukunftsmodell Dorfladen“ an. Diese richtet sich an Dorfladenbetreiber, Gründungsinitiativen sowie Multiplikatoren, die sich für die Nahversorgung in ländlichen Räumen engagieren. Ziel ist es, insbesondere Gründungsinitiativen zu informieren und ihnen praxisnahe Tipps zur Gründung und zum Betrieb von Dorfläden zu vermitteln.

Die Seminarreihe startet am 23. April 2025 und findet bis zum 2. Juli 2025 jeweils mittwochs von 18 bis 19:30 Uhr statt. Die einzelnen Module behandeln Themen wie die ersten Schritte zur Verbesserung der Nahversorgung im Dorf, Gründung und Rechtsform eines Dorfladens, Einrichtungs- und Sortimentsplanung, betriebswirtschaftliche Aspekte, Finanzierung und Förderung, der Dorfladen als Treffpunkt, Warenpräsentation sowie die Sicherung der Nahversorgung ohne Dorfladen.

Interessierte können sich HIER. anmelden.

27.03.2025
Landvolk legt eigene Strategie vor

Leistungen müssen honoriert werden

Die Herausforderungen des Klimawandels betreffen uns alle – besonders aber die Landwirtschaft, die einerseits Emissionen reduzieren, andererseits jedoch weiterhin eine sichere Lebensmittelversorgung gewährleisten muss. Das Landvolk Niedersachsen hat deshalb eine eigene KlimaSchutzStrategie entwickelt, die Lösungen aufzeigt, wie unsere Branche zur Klimaneutralität beitragen kann, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Die Strategie umfasst 41 konkrete Maßnahmen, mit denen sich Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft um bis zu 20 % senken lassen – ohne die Produktionsleistung zu gefährden. Besonders im Fokus stehen:

✅ Effizientere Fütterung zur Reduktion von Methanemissionen ✅ Gezielte Förderung von Blühstreifen und Agrargehölzen für mehr Biotopvernetzung ✅ Einsatz emissionsmindernder Futterzusätze und Güllezusatzstoffe ✅ Optimierte Lagerung und Behandlung von Wirtschaftsdünger ✅ Schutz des Dauergrünlands durch gezielte Fördermaßnahmen ✅ Carbon Farming und Humusaufbau zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung

Ein zentraler Punkt der Strategie ist, dass die Klimafreundlichkeit der Landwirtschaft nicht pro Hektar, sondern pro produzierter Einheit (z. B. 1 kg Milch, 1 kg Weizen) bewertet werden sollte. So können wir sicherstellen, dass Niedersachsens Landwirtschaft effizient bleibt und nicht durch Produktionsverlagerung ins Ausland zusätzliche Emissionen verursacht (“Carbon Leakage”).

Zudem setzen wir uns für freiwillige Maßnahmen mit finanziellen Anreizen statt bürokratischer Auflagen ein. Ein Beispiel ist die Förderung von Carbon Farming, bei dem Landwirte für ihre Klimaschutzleistungen honoriert werden.

Wir möchten Sie einladen, sich aktiv an der Umsetzung dieser Strategie zu beteiligen und Ihre Meinung einzubringen. Gemeinsam können wir den Klimaschutz in der Landwirtschaft vorantreiben und gleichzeitig die Zukunft unserer Betriebe sichern.

Für Fragen oder weitere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

25.03.2025
Landvolk mahnt zur Vorsicht wegen Hasenpest

Krankheit ist auf Menschen übertragbar – Nur wenige Fälle in Niedersachsen

Das Landvolk Niedersachsen mahnt zu besonderer Vorsicht beim Umgang mit bestimmten Wildtieren im Zusammenhang mit der sogenannten Hasenpest. Zwar gibt es in Niedersachsen im Vergleich beispielsweise zum Nachbarland Hessen nur vereinzelte festgestellte Fälle, aber die Krankheit ist hoch ansteckend und auch auf den Menschen übertragbar. „Wer beruflich oder in der Freizeit engen Kontakt zu Wildtieren hat, ist besonders gefährdet“, sagt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers, der auch Vorstandsvorsitzender der Tierseuchenkasse Niedersachsen ist. Das Bakterium ist vor allem in Wildtieren zu finden und kann verschiedenste Tierarten befallen. Hasen sind besonders empfänglich, daher wird die Erkrankung auch als Hasenpest (Tularämie) bezeichnet. Die Übertragung kann durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Kadavern erfolgen, aber auch nicht ausreichend durchgegartes Fleisch birgt ein Infektionsrisiko.

Frank Kohlenberg, selbst Jäger und Vizepräsident des Landesbauernverbandes, warnt: „Um einer Infektion vorzubeugen, sollte der ungeschützte Kontakt zu Wildtieren oder Kadavern von Wildtieren vermieden werden. Potenziell erregerhaltiges Fleisch muss vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden.“ Vorbeugend sollten beim Umgang mit Wildtieren zudem Einmalhandschuhe und eine Atemschutzmaske getragen werden. Auch ein Stich oder Biss von infizierten Insekten oder Zecken kann die bakterielle Krankheit übertragen. Weiterhin können sich Nagetiere wie Ratten oder Mäuse, aber auch Wildwiederkäuer und Fleischfresser infizieren. Bei Hasen und Kaninchen endet die Tularämie meist tödlich. Bei Menschen zeigen sich grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber, Lymphknotenschwellungen, Atemnot oder Durchfall.

Im Jahr 2024 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover 200 Tiere aus ganz Niedersachsen auf Tularämie untersucht. Insgesamt wurden 181 Feldhasen und 19 Wildkaninchen beprobt. Bei zehn Feldhasen (fünf Prozent) wurde der Erreger nachgewiesen; alle untersuchten Wildkaninchen waren hingegen negativ. Im Jahr 2023 wurden 77 Tiere auf Tularämie untersucht. Von den 60 Feldhasen und 17 Wildkaninchen waren sieben Feldhasen (neun Prozent) an Tularämie erkrankt. Bei den Wildkaninchen wurde der Erreger auch 2023 nicht nachgewiesen.

Aktuelles aus dem Landesverband

30.01.2026
Geflügelmarkt uneinheitlich
Geflügel

(AMI/MEG) Das Weihnachtsgeschäft wurde von Marktteilnehmern als weitgehendst zufriedenstellend bezeichnet. Der Nachholbedarf des Lebensmitteleinzelhandels hielt sich im Januar zunächst in Grenzen. Mitte Januar 2026 wurde die Nachfrage nach Geflügelfleisch wieder als lebhafter bezeichnet. Der Fokus des Interesses richtet sich nun wieder auf das Standardsortiment. Wetterbedingt war der Absatz von Hähnchen über Markthändler zeitweise beeinträchtigt. Im Lebensmitteleinzelhandel wurde aber recht rege nachgefragt. Aufgrund der Verknappung des Angebots am Putenmarkt wurden mehr Hähnchenfleischartikel beworben. Die Preise für frische lose gehandelte Hähnchenbrust tendierten im Schnitt etwas schwächer. Verhandlungen zwischen Schlachtereien und Erzeugergemeinschaften führten im Januar zu leicht nachgebenden Auszahlungspreisen. Nach wie vor ist die Angebotsdecke am Putenmarkt dünn. Die Ausfälle durch die Aviäre Influenza machten sich bemerkbar. In vorherigen Jahren wurden Suppenhennen im Januar verstärkt beworben. Augenblicklich zeigen die Prospekte des LEHs wenig Aktionen.

30.01.2026
HPAI H5N1: Erster Nachweis bei Milchkuh in Europa
Geflügel

In den Niederlanden wurde erstmals in Europa eine H5N1‑Infektion bei einer Milchkuh festgestellt. Die Kuh zeigte im Dezember eine Euterentzündung und Atemprobleme, später wurden in der Milch Antikörper gefunden; weitere Tiere des Bestands waren unauffällig. Zuvor war auf dem Betrieb eine Katze an H5N1 verendet. Es gibt derzeit keine Hinweise auf eine aktive Virusvermehrung oder -verbreitung im Bestand. Das Gefährdungspotenzial für Rinder durch hochpathogene Vogelgrippe-Viren wird weiterhin als gering bewertet, und pasteurisierte Milch gilt als sicher. Als mögliche Eintragsquellen gelten, nach Aussage des FLI, infizierte Wildvögel sowie kontaminierter Kot, Futter, Wasser oder Geräte. Die Viruszirkulation bei Wildenten in den Niederlanden ist hoch (bis zu 25 % der im Herbst untersuchten Wildenten), was den Erregereintrag in Tierbestände begünstigt. Für Geflügelhalter bedeutet der Fall erhöhte Wachsamkeit: Wildvogelkontakt vermeiden, Futter und Wasser schützen, Hygieneketten strikt einhalten und betriebsübergreifende Kontamination verhindern. Der Fall bestätigt, dass H5N1 tierartenübergreifend übertragen werden kann und sporadisch auch Säugetiere betrifft, wie bereits in den USA in großem Umfang beobachtet. Eine frühzeitige Meldung unklarer Symptome an die zuständigen Veterinärbehörden bleibt daher entscheidend. Insgesamt zeigt der Nachweis, dass konsequente Biosicherheit weiterhin der wichtigste Schutz für Geflügelbestände ist.

30.01.2026
Auswirkungen der Vogelgrippe auf den Eiermarkt in Europa
Geflügel

Die Vogelgrippe wirkt sich derzeit unterschiedlich auf den europäischen Eiermarkt aus. Während in Deutschland das Angebot knapper wird und die Preise steigen, können Eier aus Teilen der Niederlande nicht wie üblich vermarktet werden. Besonders betroffen ist die Provinz Nord-Limburg, wo aufgrund von Vogelgrippefällen Überwachungszonen eingerichtet wurden. Nach EU-Recht dürfen Eier aus diesen Gebieten vorübergehend nicht exportiert werden, auch wenn sie als gesundheitlich unbedenklich gelten. Dadurch sind wichtige Absatzmärkte derzeit nicht erreichbar. Ein erheblicher Teil der normalerweise nach Deutschland gelieferten Eier verbleibt daher in den Niederlanden. Nach Angaben des niederländischen Geflügelverbandes fehlen dem Markt täglich mehrere Millionen Eier. In den betroffenen Regionen werden die Eier zwischengelagert, verlieren jedoch mit zunehmender Lagerdauer ihre Eignung für den Frischemarkt und müssen stattdessen verarbeitet werden. Dies ist für die Erzeuger mit geringeren Erlösen verbunden. In Deutschland zeigen sich die Folgen in eingeschränkten Sortimenten und steigenden Preisen. Neben den Exportbeschränkungen tragen auch strukturelle Faktoren wie eine sinkende Zahl an Geflügelbetrieben und eine anhaltend hohe Nachfrage zur angespannten Marktlage bei.

30.01.2026
Exportdruck bei EU-Weizen hält an
Pflanzen

(AMI) Günstige Übersee-Offerten und ein starker Euro deckeln die Kurse an der Börse in Paris. Chicago profitiert dagegen von der Schwäche des Dollars. Fundamental lässt das globale Angebot den Kursen wenig Luft nach oben.

Die Weizenkurse an der Börse in Paris erholten sich nach einem Rutsch auf ein Fünf-Wochen-Tief wieder und blieben zugleich in der seit Dezember etablierten Spanne gefangen. Am 28.01.2026 schloss der Fronttermin März bei 190,00 EUR/t und damit 0,50 EUR/t über Vorwoche. Trotz eines stark gestiegenen Euro, der die Exportparitäten verschlechtert, kam es zu einer Gegenbewegung – getrieben von der festen Vorgabe aus Chicago, Short-Covering und zurückhaltender Abgabebereitschaft auf Kassabasis.

Fundamental bleibt der Gegenwind jedoch spürbar: Günstige Offerten aus Argentinien sowie weiterhin wettbewerbsfähige Angebote aus dem Schwarzmeerraum setzen die europäischen Partien im Nordafrika-Geschäft unter Druck. In Marokko – dem wichtigsten EU-Absatzmarkt – treten argentinische Partien zunehmend in den Vordergrund; in Algerien und Saudi-Arabien dominieren je nach Proteinvorgaben russische und weitere Schwarzmeer-Herkünfte. Der Kassamarkt in Westeuropa zeigt sich zugleich zäh: Zurückhaltende Abgeber und feste Prämien stützen die Frontmonate, begrenzen aber aufgrund des starken Euro und der Konkurrenz die Exportfähigkeit.

Das internationale Tenderbild liefert nur punktuelle Entlastung. Nach größeren Abschlüssen in Saudi-Arabien und Algerien richtet sich der Blick auf Tunesien; einzelne französische Ladungen nach Ägypten unterstreichen zwar punktuell die Wettbewerbsfähigkeit in Nischenfenstern, an der Grundtendenz ändert das wenig. Solange argentinischer 11,5-%-Weizen auf niedrigen Niveaus angeboten wird und Russland/Ukraine preislich eng bleiben, bleibt Paris an die Wechselkursentwicklung und die relative Preisstellung gegenüber Übersee gebunden.

30.01.2026
Brotgetreidemarkt ohne wirkliches Kaufinteresse
Pflanzen

(AMI) Auch wenn die Terminkurse ihr Niveau größtenteils halten, an eine Trendwende glaubt am Brotgetreidemarkt niemand und zudem mangelt es in Deutschland an Nachfrage.

Die Weizenkurse haben ihre zuvor ausgeprägte Abwärtsbewegung zwar beendet, konnten jedoch keine nennenswerte Aufwärtsdynamik entwickeln. Entsprechend schloss der Fronttermin an der Pariser Börse am 28.1.2026 gegenüber der Vorwoche lediglich um 0,50 EUR/t höher bei 190 EUR/t. Belastend wirken weiterhin der starke Euro und die damit verbundene Exportschwäche Europas sowie die insgesamt komfortable Versorgungslage.

Diese Entwicklung am Terminmarkt spiegelt sich auch auf Großhandelsebene wider. Für Brotweizen werden franko Hamburg aktuell 195 EUR/t genannt und damit 1 EUR/t weniger als in der Vorwoche, ebenso franko Westfalen mit 197 EUR/t. In Ostdeutschland fallen die Brotweizenpreise franko sogar um 2 auf 188 EUR/t. Auch Brotroggen steht unter Druck und verbilligte sich franko Niederrhein um 2 auf 180 EUR/t. Die Mühlen zeigen sich gut versorgt, die Nachfrage bleibt entsprechend ruhig.

Am Kassamarkt setzen sich die Preiskorrekturen fort. Brotweizen liegt mit einem Minus von 1,49 EUR/t bei aktuell 168,11 EUR/t und damit nur leicht über dem Niveau von vor vier Wochen, als 167,25 EUR/t gezahlt wurden. Für Brotroggen zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Erzeugerpreis sank um 0,75 auf 144,35 EUR/t, nachdem im Dezember noch 142,47 EUR/t erzielt wurden. Im Vorjahresvergleich fällt die Entwicklung deutlich dramatischer aus. Brotweizen lag vor einem Jahr mit 204,89 EUR/t nahezu 37 EUR/t höher, während Brotroggen seitdem um fast 25 von 169,66 EUR/t nachgegeben hat.

30.01.2026
Futtergetreide: Ruhiger Marktverlauf setzt sich fort
Pflanzen

(AMI) Geringe Umsätze und Exportflaute bestimmen das Marktgeschehen, Mischfutterhersteller warten ab.

Die Mischfutterhersteller befinden sich weiterhin in einer komfortablen Ausgangslage. Die Versorgung mit Rohware ist ausreichend, da der Export infolge des starken Euro deutlich ins Stocken geraten ist und entsprechend mehr Ware am heimischen Markt verbleibt. Die Mischfutterwerke ordern kontinuierlich, zudem laufen aktuell auch überregionale Lieferungen von Futtergetreide in die westdeutschen Veredlungsregionen. Für die kommenden Monate wird zwar weiterhin Kaufinteresse erwartet, insgesamt gilt der Bedarf bis zum Übergang in die nächste Saison jedoch bereits als weitgehend gedeckt.

Preislich zeigten sich im Monatsvergleich überwiegend leichte Abschläge. Futtergerste verbilligte sich um 0,60 auf 160,91 EUR/t (Vormonat 161,89 EUR/t), Futterweizen um 0,36 auf 164,67 EUR/t (Dezember 164,57 EUR/t) und Triticale um 0,92 auf 154,44 EUR/t. Körnermais frei Erfasserlager gab um 0,54 auf 182,03 EUR/t nach. Im Vergleich zum Dezember konnten sich die Körnermaispreise jedoch leicht verbessern: Körnermais lag damals fast 4 EUR/t unter dem aktuellen Niveau, während Triticale gegenüber Dezember um 1,21 EUR/t von 153,23 EUR/t zulegen konnte. Für die kommenden Wochen halten Marktteilnehmer eine nachhaltige positive Preisentwicklung bei Futtergetreide, ausgenommen Körnermais, derzeit für wenig wahrscheinlich.

Auch auf Großhandelsebene setzt sich die in den vergangenen Wochen beobachtete Preisentwicklung fort. Während Gerste und Weizen weiter unter Druck stehen, können sich die Maispreise festigen. Bei Futtergerste gaben die Notierungen franko Niederlande und franko Westfalen jeweils um 2 auf 194 EUR/t nach, franko Südoldenburg verringerte sich um 1 auf 193 EUR/t. Auch die Weizenpreise tendieren im Großhandel schwächer. Franko Niederlande sank die Notierung um 1 auf 197 EUR/t, während die Preise franko Westfalen sowie franko Ober- und Niederrhein unverändert blieben. Demgegenüber zeigt sich der Maismarkt fester. Franko Niederlande verharren die Preise zwar auf dem bisherigen Niveau, in den deutschen Regionen Südoldenburg und Niederrhein wurden jedoch Aufschläge von 2 auf 215 bzw. 210 EUR/t verzeichnet. Besonders deutlich fiel der Anstieg franko Westfalen aus, wo sich der Preis um 3 auf 216 EUR/t erhöhte. Die Entwicklung unterstreicht den weiterhin ausgeprägten innerdeutschen Bedarf an Körnermais.

30.01.2026
Raps klettert weiter
Pflanzen

(AMI) Steigende Preise können die ein oder andere Rapspartie aus Erzeugerhand locken. Andernorts bleiben die Umsätze auch weiterhin überschaubar. So fußen die Mengenbewegungen hier auf der Abwicklung bestehender Kontrakte.

Das Handelsabkommen zwischen China und Kanada stellte auch Ende Januar die Weichen für feste Rapsnotierungen an der Pariser Börse. Dieses beinhaltet niedrigere Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge im Austausch für geringe Abgaben auf kanadischen Raps. Im August vergangenen Jahres verhängte China vorläufige Antidumpingzölle auf Canola und nahm zur Bedarfsdeckung den Kauf von australischer Ware wieder auf. Seit 2020 wurden die Lieferungen aufgrund phytosanitärer Bedenken pausiert. Chinesische Importeure orderten Berichten zufolge nun bereits 650.000 t kanadischen Canolas zur Lieferung zwischen Februar und April. Das treibt nicht nur die Notierungen an der kanadischen Börse, sondern zeigt auch hierzulande Kurswirkung. So schloss der Fronttermin Februar am 27.01.2026 bei 481,75 EUR/t und damit rund 7,50 EUR/t über dem Niveau der Vorwoche. Auch Partien der Ernte 2026 tendieren fester, wenn auch etwas weniger deutlich. So legt der August-26-Kontrakt auf Wochensicht um 4,75 auf 458,25 EUR/t zu.

Mit dem Plus in Paris geht es auch auf Großhandelsebene aufwärts. Dabei bleiben die Prämien durchweg unverändert. Franko Hamburg werden mit 475 EUR/t zur prompten Lieferung rund 6 EUR/t mehr in Aussicht gestellt als noch in der Woche zuvor. Franko Niederrhein sind mit 496 rund 7 EUR/t mehr im Gespräch. Für Partien der Ernte 2026 sind bis zu 463 EUR/t möglich. Dabei bleibt es jedoch auch weiterhin ungewöhnlich ruhig. Marktteilnehmer warten nun das von Bord gehen des Februar-Kontraktes an der Pariser Börse ab.

Auch Ende Januar zeigt sich der heimische Rapsmarkt fortgesetzt ruhig. Gebietsweise bietet das aktuell festere Preisniveau jedoch auch einen Anreiz zum Verkauf. Im Mittel werden für Partien der Ernte 2025 auf Erzeugerebene rund 458 EUR/t aufgerufen und damit 7 EUR/t mehr als noch in der Woche zuvor. Die Meldungen aus den einzelnen Bundesländern rangieren dabei in einer Spanne von 430-480 EUR/t. Damit erhalten Erzeuger zwar 34 EUR/t weniger als zum Vorjahreszeitpunkt, aber immer noch 63 EUR/t mehr als Ende Januar 2024. Vorkontrakte der Ernte 2026 verteuern sich auf Wochensicht um 9,90 auf 433,30 (406-465) EUR/t.

30.01.2026
Kartoffelangebot weit über Nachfrage
Pflanzen

(AMI) Ob Speise- oder Verarbeitungskartoffeln, die Nachfrage kann das Angebot kaum aufnehmen. Preisdruck setzt sich fort und Landwirte müssen zusehen, dass am Ende nicht die besten Kartoffeln übrigbleiben.

Das Speisekartoffelangebot wird derzeit mit gut ausreichend bis erdrückend beschrieben. Nach wie vor gibt es zu viele Kartoffeln in den Scheunen. Erzeugervertreter appellieren bereits, nun auch die Läger mit gekühlten Kisten zu öffnen, damit am Ende der Saison nicht die beste Ware keinen Marktzugang mehr hat. Aufschläge dafür sind allerdings nicht in Sicht, dafür bleibt der Markt viel zu unausgeglichen. Selbst in Zufuhrgebieten heißt es immer mehr, dass steigende Preise nicht mehr zwischen den Marktteilnehmer besprochen werden.

Auf der Nachfrageseite hat sich fast nichts geändert. Der Absatz ist besser als die Stimmung am Markt. Sonderaktionen und Marketing erfüllen ihren Zweck. So war es auch bis Ende des Vorjahres. Die Einkäufe privater Haushalte konnten im Dezember noch einem kräftig gesteigert werden, wie die AMI-Analyse der Daten von YouGov zeigt.

Das Exportgeschäft bleibt ruhig, was in Richtung Westen daran liegt, dass die Verarbeitung keinen vertragsfreien Rohstoff aufnimmt und in Richtung Osten und Südosten daran, dass die Vorräte für den Winter wie üblich noch nicht geräumt sind und das Wetter eine Ergänzung momentan noch schwierig macht. Und wenn es dann wieder losgeht, werden auch Anbieter aus anderen Ländern in einen sicherlich harten Wettbewerb treten. Die Vorratsdaten aus Frankreich beispielsweise lassen da nichts Gutes ahnen.

Der Markt für Pommes-Kartoffeln ist noch um ein Vielfaches prekärer. Weiterhin ist überall zu hören, dass die Produktverkäufe die Erwartungen nicht erfüllen und gleichzeitig die Vorräte an Rohstoff viel größer als sonst sind. Wie die Franzosen melden, hat die dortige Industrie von Juli bis Dezember gerade mal 5.000 t Rohstoff über die Vertragsmengen hinaus aufgenommen. Wahrscheinlich aber nur aus Verlegenheit (oder Gelegenheit), weil die Vertragsware die geforderten Spezifikationen nicht erfüllen konnte. Woanders wird es nicht anders aussehen, so die Einschätzung von Informationspartnern.